Senior - Primarschule Lienz

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Auf die Unterstützung eines Seniors im Schulzimmer zählen zu dürfen, ist ein grosses Privileg für die Primarschule Lienz. In unserem Fall ist Herr Erich Aeschbacher an zwei Vormittagen im Schulhaus anwesend. Herr Aeschbacher steht den Lehrpersonen unterstützend zur Seite und hilft denjenigen Kindern, die eine zusätzliche Erklärung zum Lernstoff brauchen. Der Senior im Schulzimmer arbeitet ehrenamtlich.

Folgender Artikel wurde im Juni 2014 im Rheintaler veröffentlicht.

Ein Grossvater für Schüler
Ein Senior im Klassenzimmer – in Lienz gehört das seit bald fünf Jahren zum Schulalltag. Das Modell hat Zukunft, sind sich Schulleitung, Lehrkräfte und der verabschiedete Senior einig.

Claudio Donati

Lienz. Die Kinder im Schulhaus Wingert freuen sich, dass die Pause vorbei ist. Denn bis zum Mittag heisst es für sie Freie Tätigkeit. Ein Fach, das sich wohl jeder zu seiner Schulzeit auch gewünscht hätte. Als Herr Catterfeld, wie sie ihn hier nennen, zur Schule ging, gab es so etwas noch nicht. Das war vor über 70 Jahren, im Westberlin der Kriegs- und Nachkriegszeit. Trotzdem, er sei auch damals gern zur Schule gegangen, sagt Peter Catterfeld. Sonst würde er wohl kaum als 78-Jähriger wieder die Schulbank drücken.

Guter Onkel, kein Lehrer
Herr Catterfeld ist der Senior im Schulzimmer, zwei Vormittage pro Woche. Eine Stütze für die Lehrerinnen und Lehrer, ein guter Onkel (oder eben Grossvater) für die Kinder. Das Konzept ist im Kanton St. Gallen anders als im Thurgau und in Zürich noch wenig verbreitet. Im Rheintal pflegen neben der Primarschule Lienz jene von Kriessern und Balgach ein solches Modell (weitere Schulgemeinden bekunden verstärkt Interesse). Als Herr Catterfeld 2009 von Winterthur in die Region Altstätten zog, stiess er nach ersten erfolglosen Versuchen beim Lienzer Schulpräsidenten Iwan Müller auf offene Ohren. Umso mehr, als Peter Catterfeld schon zuvor in Winterthur neun Jahre als ehrenamtlicher Senior im Klassenzimmer verbrachte.
Der Senior soll kein Lehrer sein, ja darf kein Lehrer sein. Damit man sich gar nicht erst ins Gehege kommt, ist die Lienzer Schulleiterin Ursula Bardorf überzeugt. Er ist Ergänzung, nicht Ersatz. Dass die Rollenverteilung klar ist, zeigt sich beim Schulbesuch während der Freien Tätigkeit. Einige Buben basteln Plakate mit Flugzeugträgern und Haien, einige Mädchen spielen Kiosk, Theater, Flöte, andere stellen einen Hindernisparcours zusammen. Herr Catterfeld hilft beim Kleben, beim Auswendig lernen, stoppt die Zeit, spornt an, lobt, hört zu. Oder er ist einfach da. „Nur schon seine Präsenz strahlt eine gewisse Ruhe aus", sagt Schulleiterin Bardorf. Er sei immer dort, wo man ihn brauche, ohne dass man ihm etwas sagen müsse. Gerade bei einem Rudel von 36 Kindern, verstreut vom kleinen Kindergarten bis zur 6. Klasse, aufgeteilt in zwei Klassen, ist das Gold wert. Auch für die Lehrkräfte. „Wir brauchen diese Unterstützung", sagt Lehrerin Franziska Stieger.

Auf Augenhöhe
Der Mann mit der Brosche am Hemdkragen erinnert ein bisschen an den Good Old Cowboy, den jeder gern hat. Kein Schüler, der sich ihm nicht anvertraut, keine Schülerin, die ihm frech kommen würde. „Ja, es ist eine Idylle hier", sagt Ursula Bardorf. Umso grösser sei für sie die Enttäuschung gewesen, als Peter Catterfeld mitteilte, er werde demnächst nach Kreuzlingen ziehen. Unterdessen hat sie im neuen Senior im Klassenzimmer, Erich Aeschbacher, bereits einen würdiger Nachfolger gefunden. Und Herr Catterfelds Arbeit wirke heute noch nach, sagt sie.
Besagter Vormittag ist Catterfelds vorletzter Einsatz. In Kreuzlingen habe er schon Anfragen von der Volks- und der Waldorfschule. Vielleicht werde er aber auch als Betreuer im Spital mithelfen. Ein letztes Mal vor dem Abschied setzt er sich neben die Kinder, begegnet ihnen auf Augenhöhe, gibt ihnen Tipps. Gutes Allgemeinwissen ist für einen Senior im Klassenzimmer Voraussetzung, sagt die Schulleiterin. Der 78-Jährige kam als Ausbilder im technischen Bereich 1987 in die Schweiz und hat sich stets weitergebildet, selbst als Senior, an der Pädagogischen Hochschule.
Peter Catterfeld profitiert aber auch von den Kindern. Nur so habe er ihre Welt kennenlernen können. „Wie man mit jungen Menschen umgeht. Und umgekehrt." Er kann sich gut vorstellen, gerade für viele Buben so etwas wie eine Grossvater-Figur zu sein. Eine Rolle, die ihm privat nie vergönnt gewesen sei, da seine einzige Tochter jung gestorben ist. Zum Abschied äussert der Senior im Klassenzimmer deshalb einen Wunsch: „Es wäre schön, wenn dieses Modell Schule macht."

 
Schulhaus Wingert l Im Wegacker 17 l 9464 Lienz l +41 71 766 1553 l schulleitung(at)schule-lienz.ch
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